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#46 Wie gehe ich mit gegensätzlichen Typen im Team um?

07 Nov 2022, Geschrieben von René Wasmund in Podcast

Du kennst das vielleicht als Team-Leader:

Es gibt ein gemeinsames Ziel auf der einen Seite und die verschiedensten Arbeitsgewohnheiten, Umgangsformen, Kommunikationsstile und Vorlieben auf der anderen Seite.

Ganz zu schweigen davon, ob man von Bestform frühmorgens oder spätabends sprechen kann oder den Spagat zwischen totaler Planung und Aufschieberitis hinbekommen darf.

Zusammen mit den verschiedenen Interessen lässt sich das oft gar nicht so leicht handhaben.

Letztendlich geht es darum, Stärken zu bündeln und Unterschiede wirksam einzusetzen, um ein schlagkräftiges Team zu formen, das allen Herausforderungen gewachsen ist.

Es gibt fast endlos viele Möglichkeiten, welche Rollen Menschen in einem Team ausfüllen können.

In jedem Team findest Du den Macher, also jemanden, der Verantwortung dafür übernimmt, dass sich etwas bewegt und Fristen eingehalten werden.

Genauso hast Du in fast jedem Team den Aufschieber, der sich auf den anderen ausruht und erst in letzter Sekunde mit anpackt, um das Ziel zu erreichen oder die Frist zu halten.

Und auch den Blender gibt es sehr wahrscheinlich in Deinem Team: Er sagt viel Richtiges, gibt Zuversicht und lässt Dich sicher sein, dass ihr alles gemeinsam erreichen könnt – bis er Dich in letzter Sekunde hängen lässt.

Wenn viele verschiedene Methoden, Prioritäten und Vorlieben in ein Team gequetscht werden, dann sind Nachteile und unerwünschte Auswirkungen unvermeidlich. Dennoch haben Teams, die aus unterschiedlichen Charakteren mit unterschiedlichen Gewohnheiten bestehen, das größtmögliche Potential – denn sie decken ein breites Spektrum an Kompetenzen bei der Aufgabenbewältigung ab und auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten für Probleme kann aus einem großen Fundus an Kreativität und Erfahrung geschöpft werden.

Sind sich die Teammitglieder hingegen zu ähnlich, mag das für ein angenehmes Arbeitsumfeld förderlich sein – jedoch sind dann auch die Herangehensweisen bei der Bewältigung von Problemen fast identisch. Führt ein Weg in die Sackgasse, fällt es dem Team schwerer, schnell Alternativlösungen zu entwickeln.

Wie kannst Du unterschiedliche Menschen erfolgreich führen?

1. Lerne Dein Team kennen

Bekomm heraus, wie Deine Leute „ticken“ – was sie gern machen und mögen, was sie hassen, ob Sie eher eigenverantwortlich arbeiten oder enger geführt werden wollen, bei welcher Aufgabe sie ihre Stärken voll ausspielen können, was ihnen leicht fällt oder ihnen Angst macht und wie sie mit Konflikten umgehen.

Wenn Du das weißt, kannst Du Problemen begegnen, bevor sie überhaupt entstehen.

Wenn Du ganz auf Nummer sicher gehen willst, führe mit jedem Teammitglied eine Potenzialanalyse durch. Diese Analyse beseitigt die meisten Zweifel, wo Stärken und Schwächen liegen, welches Verhalten in einem Team zu erwarten ist und welche Aufgabe die richtige für das Teammitglied ist.

Sollte Dein Interesse als Leader an einer aussagekräftigen Potenzialanalyse geweckt sein, schreibe mir gerne eine Mail mit Deinem Anliegen an podcast@l3-coaching.de.

2. Nutze die Stärken im Team

Wenn Du schon einmal versucht hast, aus einem Pinguin einen Adler zu machen, weißt Du, dass das nicht funktionieren wird.

Der Analytiker wird sehr wahrscheinlich weniger begabt sein als der Kreative, wenn es um neue Ideen geht und der Aufschieber könnte eine Fehlbesetzung sein, wenn es darum geht, kontinuierlich auf ein Ziel hinzuarbeiten und Fristen zu halten.

Stärken zu fördern und Schwächen nur in ganz bedingtem Maße zu korrigieren, steigert die Leistungsbereitschaft, die Begeisterung und das Engagement signifikant.

Schwächen in den Vordergrund zu stellen und in der Gruppe ständig zu einem Thema zu machen, hat genau den gegenteiligen Effekt.

Ob Du die Stärken in Deinem Team hervorhebst, kannst Du mit dem Stärkenorientierungs-Index des Gallup-Instituts herausfinden, der aus vier einfachen Aussagen besteht:

  1. Jede Woche setze ich mir auf meinen Stärken beruhende Ziele und Erwartungen.
  2. Ich kann die Stärken von fünf meiner Kollegen nennen.
  3. In den letzten drei Monaten haben mein Vorgesetzter und ich ein konstruktives Gespräch über meine Stärken geführt.
  4. Mein Unternehmen bemüht sich aktiv, die Stärken aller Mitarbeiter zu fördern.

3. Fördere ein positives Umfeld

Du wünscht Dir für Dein Team ein erfüllendes Arbeitsumfeld?

Das erreichst Du, wenn Du eine klare Linie fährst, was den Respekt der Teammitglieder untereinander betrifft. Respektloses Verhalten sollte sofortige und spürbare Konsequenzen zur Folge haben – ein Mangel an Respekt in Deinem Team schafft den Nährboden für Fehler, Konflikte und einen starken Rückgang bei der Produktivität und dem Engagement der Mitarbeiter.

4. Führen durch fragen

Mache nicht den Fehler zu glauben, dass alles in bester Ordnung ist, wenn sich keine offenen Konflikte zeigen.

Eine gute Möglichkeit, die Stimmung im Team einzufangen, sind regelmäßige Team-Meetings, in denen Du den Raum für Fragen öffnest, die auf die Qualität der Beziehung untereinander abzielen:

  • Was läuft aktuell gut und welche Wünsche gibt es im Hinblick auf das Zusammenwirken?
  • Wie sehen unsere Grundregeln aus und halten wir uns daran?
  • Wie können wir die Art und Weise verbessern, wie wir kommunizieren und Entscheidungen treffen?

Du kannst an den Anfang eines Meetings auch regelmäßig einen Stimmungs-Check stellen, bei dem die Stimmungslage auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet und die Aussage kurz begründet wird.

5. Stelle Unterschiede als etwas Belebendes dar

Ob wir eine positive oder negative Grundeinstellung in uns tragen, beeinflusst unsere Sicht auf alles, was im Team passiert.

Da ist es umso wichtiger, Unterschiede als etwas herauszustellen, das Entwicklung und Ergebnis positiv beeinflusst und jedem Teammitglied die Chance gibt, persönlich zu wachsen.

6. Führe Dein Team mit hoher Aktivität als Vorbild

 

Neben der Tatsache, dass Du authentisch und mit Hingabe im Team aktiv bist, hat die Art und Weise, wie Du andere behandelst, einen wesentlichen Einfluss auf die allgemeine Moral und Produktivität im Team.

Eine Studie von Gallup hat offenbart, dass 70% der Veränderungen bei den Mitarbeiter-Engagement-Ergebnissen direkt auf das Verhalten von Vorgesetzten zurückzuführen sind.

Bist Du als Vorgesetzter engagiert, kommunikativ und bietest gerne Unterstützung an, werden andere Mitglieder Ihres Teams dieses Verhalten nachahmen – und somit selbst engagierter und produktiver sein.

7. Konflikte im Team bewältigen

Selbst die erfolgreichsten Teamleader wissen, dass trotz aller Anstrengungen Konflikte kaum vermeidbar sind. Das Aufeinanderstoßen unterschiedlicher Persönlichkeiten ist der absolute Grund Nr. 1 für Konflikte am Arbeitsplatz, und somit die Ursache für 49 % aller berichteten beruflichen Auseinandersetzungen.

Konflikte zu verteufeln, wäre allerdings viel zu kurz gegriffen. Sie sind sogar erforderlich, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und die Stärken aller Beteiligten zu nutzen.

Einzig wichtig ist, wie mit Konflikten umgegangen wird. Der Leader hat die Aufgabe, seine Mitarbeiter zu ermuntern, ihre Ansichten mutig und frei zu äußern, damit das Team auf respektvolle Weise die Vor- und Nachteile jeder Möglichkeit erörtern und sich auf das weitere Vorgehen verständigen kann.

Dann steht der Entwicklung zu einem Meisterteam nichts im Wege.